Über Kanzelwand und Fellhorngrat – Von Riezlern zum Söllereck
Wer einen anspruchsvolleren Gratverlauf sucht, ist bei anderen – zudem deutlich ästhetischeren – Gratwanderungen wie zum Beispiel am Iseler oder der Überschreitung der östlichen Hochgratkette besser aufgehoben, denn nüchtern betrachtet ist der Fellhorngrat recht anspruchslos. Vielleicht ist er aber – neben der Tatsache, dass er gut mit Bergbahnen erreichbar ist – auch gerade aus diesem Grund so beliebt. Lohnenswert bleibt er dennoch, denn die Blumenvielfalt und großen Alpenrosenfelder am Fellhorn sowie die Rundumausssicht – allen voran in die Walsertaler Berge – sind eine wundervolle Kombination. In dieser erweiterten Tourvariante wird zunächst von Riezlern über die Gehrenspitze zur Kanzelwand aufgestiegen, bevor am dritten Gipfel, dem Fellhorn, der Abstieg über den Grat zum Söllereck anschließt.
Die Tour in Zahlen
Höhenmeter: ↑ 1.150 m ↓ 850 m
Distanz: 13,7 km
Gehzeit: ca. 6:15 h (mit Optionen zur Verkürzung)
Schwierigkeitsgrad (SAC): überwiegend T1 & T2, teilweise T3
Wo geht’s hin?
Kanzelwand (2.057 m) und Fellhorn (2.038 m) sind Berge der Allgäuer Alpen im Grenzgebiet von Deutschland und Österreich. Südlich von Oberstdorf liegen sie dort in der Untergruppe der Südöstlichen Walsertaler Berge zwischen Walsertal im Osten und Stillachtal im Westen. Beide Berge sind mit Bergbahnen erschlossen und bilden im Winter das grenzüberschreitende Skigebiet Fellhorn/Kanzelwand.
Aufstieg auf die Gehrenspitze
Vom Parkplatz an der Talstation der Kanzelwandbahn vorbei, führt direkt ein geschotterter Fahrweg die ersten Höhenmeter parallel zur Kanzelwandbahn hinauf. Bald zweigt links ein Wiesenpfad ab, der als Zubringer nach einer weiteren Abzweigung den von nun an steilen Aufstieg durch den Wald einläutet. Zuvor lassen sich im Westen der markante Hohe Ifen mit seinem langen schrägen Plateau und im Norden der Grünten erblicken, dann folgen im Schatten der Bäume zahllose Wurzel- und Treppenstufen hinauf zu Riezleralpe. Dort angekommen, zeigt sich einmal mehr auch von hier der Grünten, aber auch das Fellhorn, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft man nun am lichten Waldrand zur Gehrenspitze aufsteigt. Während sich der schmale Pfad durch die links und rechts abfallenden Hangwiesen nach oben fortsetzt, tauch schon unterhalb der Gehrenspitze der Gipfel der Kanzelwand auf. Vom Gipfelkreuz der Gehrenspitze an flacht der Anstieg in seinem weiteren Verlauf in Richtung Bergstation der Kanzelwandbahn etwas ab. Unterdessen genießt man die fantastische Aussicht tief in die Südöstlichen Walsertaler Berge auf den Großen Widderstein, Elferkopf, Zwölfer oder die Oberstdorfer Hammerspitze.

Kanzelwand und Fellhorngrat zum Söllereck
Die Gehrenspitze hinter sich gelassen, gelangt man in leichter Steigung und oberhalb des Beschneiungsteiches zwischen Kanzelwand und Fellhorn zur Bergstation der Kanzelwandbahn. Ein breiter geschotterter Wanderweg dient der Verbindung zur Kanzelwand, dann folgt ein kurzweiliger und teilweise seilversicherter Pfad um den felsigen Gipfelaufbau der Kanzelwand herum zu dessen Gipfelkreuz. Die Aussicht deckt sich im Wesentlichen mit der von der Gehrenspitze, ist aber erhabener und weitläufiger und reicht bis zum Allgäuer Hauptkamm. Ein breiter Wanderweg führt nach dem Abstecher auf die Kanzelwand hinunter in eine Senke, woraufhin der stufige Aufstieg zum Fellhorn anschließt. Vorbei an der Möserbahn sowie Alpenrosenfeldern und einer großen Blumenvielfalt, für die das Fellhorn (auch Blumenberg genannt) bekannt ist, gelangt man in ca. einer halben Stunde zum Gipfel. Es folgt der Gratabschnitt zwischen Fellhorn und Söllereck, der in seinem Verlauf über die Gipfelpunkte von Schlappoltkopf und Schlappolteck zwar eine Vielzahl von kleineren Ab- und Aufstiegen aufweist, in seiner Tendenz aber die erste Hälfte des Abstiegs darstellt. Kurz vor dem Söllereck, der das Ende des Gratverlaufes markiert, wird von eben jenem in einigen Kehren zur Sölleralpe abgestiegen, bevor ein einfacher Fahrweg um das Söllereck herum und schließlich hinunter zur Bergstation der Söllereckbahn führt. Zurück nach Riezlern gelangt man dann mit der Talfahrt nach Kornau und der anschließenden Busfahrt (mehr Informationen unter Parken & Anfahrt).

Karte & Navigation
Tipps für diese Tour
Durch die Anbindung von gleich drei Bergbahnen (Kanzelwandbahn, Fellhornbahn und Söllereckbahn) ist der Abschnitt zwischen Kanzelwand und Söllereck im Prinzip total überlaufen, sodass man die Tour am Wochenende bei gutem Wetter besser meidet. Etwas ruhiger ist es unter der Woche, aber selbst dann kann auf dem Wanderwegen noch einiges los sein.
Die beste Möglichkeit die Tour zu verkürzen ist die Nutzung der Kanzelwandbahn, wodurch der Aufstieg über die Gehrenspitze und damit ca. 2 ½ h Gehzeit sowie 4 km entfallen. Wer zwar über die Gehrenspitze aufsteigt, aber den Gipfel der Kanzelwand auslässt, verkürzt noch um ca. ¾ h Gehzeit und 2 km.
Einkehrmöglichkeiten bieten die Bergstation der Kanzelwandbahn, das Fellhorn Gipfelrestaurant, die Sölleralpe nach dem Abstieg vom Grat oder das Berghaus Söller an der Bergstation der Söllereckbahn.
Wöchentlich finden kostenlose, geologisch-botanische Führungen über den Blumenpfad und zur Käsereibesichtigung auf der Schlappoldalpe statt.
- Rund um die Talstation der Kanzelwandbahn sind gleich mehrere Parkplätze vorhanden. Ein Tagesticket ist mit 11€ (Stand 2024) recht teuer und die Automaten nehmen teilweise nur Münzgeld (an der Kasse der Kanzelwandbahn kann gewechselt werden).
- Für die Rückfahrt von der Talstation der Söllereckbahn zurück nach Riezlern nutzt man die Buslinie 1 (Oberstdorf – Baad), die in Riezlern an der Kanzelwandbahn hält. Informationen zu Tarifen und Fahrplänen gibt es hier (unter „Buslinien südliches Allgäu“). Wer als Übernachtungsgast im Besitz einer Gästekarte ist, fährt auf der Linie kostenlos.



